{"id":14535,"date":"2024-08-12T11:03:42","date_gmt":"2024-08-12T09:03:42","guid":{"rendered":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/?page_id=14535"},"modified":"2026-03-25T00:44:01","modified_gmt":"2026-03-24T23:44:01","slug":"tambun","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/geschichten\/tambun\/","title":{"rendered":"Tambun"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_pb_section_0 et_pb_section et_section_regular et_block_section\"><div class=\"et_pb_row_0 et_pb_row et_block_row\"><div class=\"et_pb_column_0 et_pb_column et_pb_column_4_4 et-last-child et_block_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough\"><div class=\"et_pb_text_0 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_block_module\"><div class=\"et_pb_text_inner\"><h1>Tambun in Korat - die M\u00f6nche kommen<\/h1>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"et_pb_row_1 et_pb_row et_block_row\"><div class=\"et_pb_column_1 et_pb_column et_pb_column_1_2 et_block_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough\"><div class=\"et_pb_text_1 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_block_module\"><div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Es ist fr\u00fcher Morgen, die Sonne scheint mir schon ein wenig zuzuzwinkern. Immer noch l\u00e4uft die Klimaanlage in unserem Schlafzimmer, und ich ziehe mir die Decke weiter hoch. Es ist schon seltsam, dass ich gut und gerne auf eine n\u00e4chtliche K\u00fchlung verzichten kann, vorziehen w\u00fcrde ich alleine einen Fan an der Decke. F\u00fcr meine Frau gilt das nicht. Ihr ist immer warm, und am liebsten w\u00fcrde sie im K\u00fchlschrank \u00fcbernachten, naja, vielleicht bei ge\u00f6ffneter T\u00fcr. So mache ich das Spiel halt mit und decke mich warm zu, und das im subtropischen Korat, unserem thail\u00e4ndischen Gelegenheits-Wohnsitz Hua Ban Thalae, unserer Siedlung Rung-Arun-Villa.<\/p>\n<p>Die Sonne \u2013 o ja, es ist also bereits nach 05.30 Uhr, mitten in der Nacht fuer einen Urlaub. Aber ich kann einfach nicht mehr schlafen. Ich m\u00f6chte auch den Tag ausnutzen, der ja nur von sechs bis achtzehn Uhr geht, so lange scheint die Sonne jetzt etwa. Und der fr\u00fche Tag bietet noch leichte K\u00fchlung. Und so stehe ich auf, um zu duschen. Wir haben keinen Warmwasserbereiter im Bad, doch das Wasser kommt nicht kalt aus der Brause, hat sich in der Nacht im Wasserhochbeh\u00e4lter leicht erw\u00e4rmt, die Temperatur ist nach wenigen Sekunden richtig angenehm. Ich setze die Kaffeemaschine in Gang, meinen guten Bohnenkaffee habe ich mir aus Deutschland mitgebracht, feines Vollkornbrot habe ich gestern im Klang Plaza gekauft.<\/p>\n<p>Bis der Kaffee fertig ist mache ich noch einen kleinen Spaziergang durch die Siedlung. Ich bin nicht der einzige Fr\u00fchaufsteher. Die Nachbarin hat vorne an der Strasse einen kleinen Tisch aufgebaut, auf dem eine Sch\u00fcssel mit Reis steht, ein wenig Beilagen. Sie hat selbst ja nicht so sehr viel, aber das macht sie jeden Morgen, denn bald werden die M\u00f6nche aus dem benachbarten <a href=\"http:\/\/www.buddhismuswiki.de\/index.php?title=Wat\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wat<\/a> kommen, um die Essensspende, das <a href=\"http:\/\/www.buddhismuswiki.de\/index.php?title=Tambun\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tambun<\/a>, in Empfang zu nehmen. Sie hockt sich vor den Tisch, nimmt die Reissch\u00fcssel in beide H\u00e4nde und h\u00e4lt sie wie zu einem Wai vor die Stirn. Dabei spricht sie leise den Text des Morgengebetes vor sich hin. Sanft stellt sie die Sch\u00fcssel zur\u00fcck und wiederholt es mit dem Teller, auf dem Gebratenes liegt, Gem\u00fcse und Fr\u00fcchte. Dazwischen schaut sie zu mir hin, l\u00e4chelt und gr\u00fcsst mit einem \u201eSawadie Kha\u201c, indem sie die H\u00e4nde mitsamt dem Teller in meine Richtung bewegt.<\/p>\n<p>Nun hat sie alles gut vorbereitet, hat Speisen f\u00fcr die M\u00f6nche bereit gestellt, hat den Text rezitiert. Geduldig wartet sie nun. Dabei hat sie noch Zeit, die Hofeinfahrt zu fegen, ein wenig Laub und abgefallene Bl\u00fcten des wundersch\u00f6n bl\u00fchenden Hibiscus- Strauches auzusammeln. Immer wieder geht ihr Blick die Strasse hinunter in die Richtung, aus der die M\u00f6nche auftauchen werden. Auch weiter unten am Stra\u00dfenrand warten Menschen darauf, ihre Almosenspeise in die Schale der M\u00f6nche zu geben. Zwei Soi\u00b4s weiter hat eine Frau einen Tisch aufgebaut. Auch sie wird Speisen verteilen, aber zus\u00e4tzlich hat sie sich zum Verkauf eingerichtet. Nicht alle Nachbarinnen haben die Zeit gehabt, Essen zu bereiten, und so k\u00f6nnen sie sich hier bedienen, gegen einen geringen Kaufpreis ein paar T\u00fcten mit Reis und Beilagen zu kaufen. Ich kann die ganze Strasse \u00fcberblicken, es ist eine kleine Siedlung, die Hauptstrasse und 12 Sois.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><div class=\"et_pb_column_2 et_pb_column et_pb_column_1_2 et-last-child et_block_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough\"><div class=\"et_pb_text_2 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_block_module\"><div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Nach rechts die mit geraden Nummern, nach links die Ungeraden. Wenn ich manchmal hinunter gehe zu dem kleinen Gesch\u00e4ft oder zur Haltestelle der Saeng Thews gr\u00fcssen mich die meisten freundlich, stellen mir immer wieder die gleichen Fragen. Wie geht es? Wo gehst du hin? Was machst du heute? Nicht, dass sie es wirklich wissen m\u00f6chten, aber was sollen sie sonst mit mir reden? Sie wollen aber zeigen, dass sie mir wohl gesonnen sind. Und ich beantworte immer wieder die Fragen, bem\u00fche mich, jeden Tag eine andere parat zu haben. Gerade diese Floskeln beherrsche ich perfekt, fast ohne Akzent, und das bringt mich oft in die Verlegenheit, dass dann schnell und viel mit mir gesprochen wird und ich vieles nicht mehr verstehe. Aber meine Nachfragen werden geduldig wiederholt, bis ich zumindest den Sinn verstanden habe, und wieder bem\u00fche ich mich, freundliche Antworten zu finden.<\/p>\n<p>Unten biegen inzwischen die beiden M\u00f6nche um die erste Ecke. Unter ihrer safrangelben Robe halten sie die Almosenschale im Arm. Ihnen folgt ein kleiner Mann, \u00fcber die Schulter mehrere gro\u00dfe, noch leere Beutel gelegt. Er ist der Helfer, denn sie sind ja nur zu zweit, aber viele m\u00f6chten geben, sich Verdienste erwerben. Er wird ihnen die Beutel mit dem Essen abnehmen, es dann in seinen Beuteln zum Wat transportieren.<\/p>\n<p>\u00dcberall bleiben sie stehen, nehmen die Robe zur\u00fcck.Die Menschen legen ihre Speisen in die Schalen, dann gehen sie in die Hocke und nehmen die H\u00e4nde zum Wai vor die Stirn. Die M\u00f6nche geben mit ihrem Sprechgesang einen Segen zur\u00fcck. Sie bedanken sich nicht f\u00fcr die Gaben, denn der Gebende erwirbt sich ja seine Verdienste. Dann gehen die M\u00f6nche schweigend weiter, hintereinander, bis zum N\u00e4chsten.<\/p>\n<p>Der Buddha selbst hat den Almosengang f\u00fcr seine Anh\u00e4ngerschaft vorgegeben, dem\u00fctig sollen sie sein, die M\u00f6nche, aber nicht, weil ihnen gegeben wird, sondern weil sie ihr Leben in Demut verbringen. Meine Nachbarin hat inzwischen ihren Mann gerufen, der sich nun zu ihr gesellt. Zu zweit warten sie nun, hinter ihrem Tisch hockend, darauf, bis die M\u00f6nche sie erreicht haben. Die ganze Situation ber\u00fchrt mich innerlich. Hier wird gegeben ohne Erwartung einer sichtbaren Gegenleistung, ohne Erwarten eines Dankes. Die Handlung selbst ist Ausdruck der inneren Haltung. Es ist kein Muss, es gibt keine Vorschrift des Tuns, es ist ein Wollen. Aber es ist auch die Erwartung, sich gutes Karma zu schaffen durch das Geben an die M\u00f6nche.<\/p>\n<p>Auf dem weiteren Weg kommen die beiden M\u00f6nche nahe bei mir vorbei. Ich gr\u00fcsse sie und beantworte eine kurze Frage nach meiner Nationalit\u00e4t, nehme eine Einladung in ihr Wat entgegen, ich sei ja schon einmal da gewesen und ihnen begegnet, erinnern sie sich.<\/p>\n<p>Die Menschen gehen in ihr Haus zur\u00fcck, nehmen den Alltag auf.<\/p>\n<p>Die M\u00f6nche gehen schweigend davon.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":14507,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-14535","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/14535","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14535"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/14535\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16039,"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/14535\/revisions\/16039"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/14507"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14535"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}