{"id":14674,"date":"2024-08-12T13:26:32","date_gmt":"2024-08-12T11:26:32","guid":{"rendered":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/?page_id=14674"},"modified":"2026-03-25T00:44:09","modified_gmt":"2026-03-24T23:44:09","slug":"fahrt-ins-dorf","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/ein-dorf-im-isaan\/fahrt-ins-dorf\/","title":{"rendered":"Fahrt ins Dorf"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_pb_section_0 et_pb_section et_section_regular et_block_section\"><div class=\"et_pb_row_0 et_pb_row et_block_row\"><div class=\"et_pb_column_0 et_pb_column et_pb_column_4_4 et-last-child et_block_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough\"><div class=\"et_pb_text_0 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_block_module\"><div class=\"et_pb_text_inner\"><h1>Unvergessliche allererste Fahrt nach Ban Nong Waeng<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"et_pb_row_1 et_pb_row et_block_row\"><div class=\"et_pb_column_1 et_pb_column et_pb_column_1_2 et_block_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough\"><div class=\"et_pb_text_1 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_block_module\"><div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Der Umsteigepunkt und somit der Ort meines Kaffeegenusses war der Marktplatz, und gewaltige D\u00fcfte nach Gebratenem, Gesottenem und auch Undefinierbarem, sprich weithin Stinkendem, tat sich mir auf. Ach, tausend Nasen h\u00e4tte ich haben m\u00fcssen ! Irgendwie kam ein Gef\u00fchl auf von Romantik, der Selbstvergessenheit, des Gl\u00fccklichseins: ich erlebe Thailand, wie es sonst kein Tourist erlebt. Dieses erf\u00fcllte mich mit Stolz, denn ich wu\u00dfte es noch nicht besser.<\/p>\n<p>Da\u00df dies hier keine Romantik, sondern das harte Leben war, sollte ich erst viel sp\u00e4ter merken. Ich bin sicher, da\u00df ich nicht der Einzige bin, bei dem dieser Gedanken aufkommt, wenn er einmal in der Provinz auftaucht und glaubt, nur jetzt k\u00f6nne er und nur er das wirkliche Thailand erleben. Nun gut, so ganz wu\u00dfte ich nicht, was ich auf dem Markt soll, zumal mich All auf eben jenen LKW verludt, der schon sie transportiert hatte und jetzt am Rande des Marktes geparkt wurde. Ohne jede Erkl\u00e4rung waren unsere Koffer und ich alleinige Insassen des Fahrzeuges. Dieses verf\u00fcgte auf der Ladefl\u00e4che \u00fcber zwei Sitzb\u00e4nke.<\/p>\n<p>Inzwischen war die Sonne aufgegangen und es wurde recht warm. Und so seit zwei Stunden lie\u00df sich meine Frau schon nicht sehen. Ich stand zwischendurch auf, stieg auf die Stra\u00dfe hinab. Nur die Angst, nicht zur\u00fcck zu finden oder da\u00df der LKW irgendwie losfuhr und unseren Koffer mitnahm hielt mich ab, \u00fcber den Markt zu schlendern. Nach und nach tauchten einzelne Frauen auf mit K\u00f6rben auf der Schulter, gelegentlich ein Huhn oder ein K\u00fcken im Korb. Sie nahmen weitab von mir Platz und schnatterten aufeinander ein. Die verstohlenen Blicke wurden dabei immer h\u00e4ufiger, aber die thail\u00e4ndischen Worte f\u00fcr dick und wei\u00df und Ausl\u00e4nder fielen nicht, zumindest konnte ich sie bei meinem damals sp\u00e4rlichen Wortschatz nicht ausmachen. Zu diesem Zeitpunkt war ich ja noch des Glaubens, diese Menschen spr\u00e4chen Thai!<\/p>\n<p>Ich machte ein m\u00f6glichst gelangweiltes Gesicht und versuchte, mich an die Telefonnummer der Deutschen Botschaft in Bangkok zu erinnern. Ich wu\u00dfte ja nicht, ob mich mein Weib hier verkaufen wollte. Zwar hatte ich noch nie von Vielm\u00e4nnerei in Thailand geh\u00f6rt, wu\u00dfte aber auch nicht, ob unsere in D\u00e4nemark geschlossene Ehe auch in Thailand anerkannt sei. Und es fiel mir nichts, aber auch garnichts ein, mit dem ich h\u00e4tte eine Verteidigung aufbauen k\u00f6nnen, und so ging ich zum Angriff \u00fcber. Ich sah den Frauen einzeln ins Gesicht - und l\u00e4chelte. Und zum dritten Mal an diesem Morgen ging die Sonne auf, man l\u00e4chelte zur\u00fcck, nickte mir freundlich zu \u2013 und sah sich einander an und kicherte und lachte, man wollte sich nicht mehr einkriegen. Eine alte Dame erklomm nun den LKW, sp\u00e4hte ein wenig umher und setzte sich forsch direkt neben mich. Einen gro\u00dfen Korb f\u00fchrte sie mit sich, gef\u00fcllt mit Obst, wie ich es bisher noch nicht gesehen hatte. Ihr Mund \u00f6ffnete sich zu einem breiten L\u00e4cheln und zeigte tiefbraune und schwarze Z\u00e4hne, dabei volle rote Lippen.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><div class=\"et_pb_column_2 et_pb_column et_pb_column_1_2 et-last-child et_block_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough\"><div class=\"et_pb_text_2 et_pb_text et_pb_bg_layout_light et_pb_module et_block_module\"><div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Sie beugte sich etwas vor und entlie\u00df ihrem Mund einen breiten Strahl rostbraunen Saftes, der zielsicher ohne das Holz zu ben\u00e4ssen durch einen breiten Spalt im Fahrzeugboden nach unten schoss. Wieder sah sie mich an, ihre Augen strahlten und blitzen. Wenn ich je ein beeindruckendes Gesicht gesehen habe, das ich freundlich, ja g\u00fctig nennen kann, dann war es dieses Gesicht. Eher rund zu nennen, \u00fcber einer hohen Stirn kurze wei\u00dfe Haare, kleine Falten in den Augenwinkeln schaute sie zu mir auf. Ja, sogar im Sitzen war ich noch eine ganze Ecke gr\u00f6\u00dfer als sie, die vielleicht einen Meter vierzig ma\u00df. Sie trug Goldschmuck, wenig, aber passend zu ihr. Nur ihr h\u00e4tte dieser Schmuck gestanden. Es ging eine W\u00fcrde von dieser Frau aus, die mich schnell eingefangen hatte. \u201eHe, Falang\u201c glaubte ich zu verstehen. Falang, das kannte ich doch. Ich schaute sie an. \u201eHe, Falang\u201c. Ja, das kam aus ihrem Mund.<\/p>\n<p>Es klang wohlwollend, ich konnte aus diesen Worten etwas heraush\u00f6ren. Willkommen etwa, wer bist du. Ihre Worte kamen einwandfrei aus ihrem Mund, jedoch so, als w\u00fcrde sie mit vollem Mund sprechen. Es sah auch so aus, als w\u00fcrde sie mit vollem Mund sprechen. Sie kramte in ihrem Korb, ihre Hand hielt ein Handtuch, das um eine kleine Dose gewickelt war. Vorsichtig \u00f6ffnete sie beides, Handtuch und Dose und entnahm ein paar Kerne, die sie sich in den Mund stopfte. Klar, von Betelnuss hatte ich ja schon geh\u00f6rt und erinnerte mich, da\u00df man davon schwarze Z\u00e4hne bekam und viel spucken mu\u00dfte. Unwillk\u00fcrlich mu\u00dfte ich lachen. Man schien das f\u00fcr ein Zeichen zu halten, denn die Hand bewegte sich auf mich zu und hielt mir einige Kerne hin. Ein Zeigefinger deutete nacheinander auf Kerne und mich und das bedeutet international, da\u00df mir etwas angeboten wurde.<\/p>\n<p>Ich hatte mal geh\u00f6rt, da\u00df Eskimos jemanden umbringen, wenn der ein Gastgeschenk ablehnt. W\u00fcrde man hier auch so weit gehen? Ich riskierte es, legte eine Hand auf meine Brust, zog mit der anderen meine Zigaretten hervor und bot meinerseits eine Zigarette an. Es folgte ein Heiterkeitsausbruch, den ich bis heute nicht vergessen habe, alle wurden angesteckt, man konnte sich garnicht beruhigen. Und pl\u00f6tzlich streckten sich H\u00e4nde nach mir aus, die Bananen, Mangos, Litschis, Kekse und Leckereien enthielten. Falang, klang es, Falang war das einzige Wort, das f\u00fcr mich h\u00f6rbar war, Falang war eine Melodie, Falang war eine Hymne. Kein Wort, kein einziges Wort konnte ich erkennen, aber ich verstand.<\/p>\n<p>Man hie\u00df mich willkommen. Ich war schon angekommen bei ihnen, denn der LKW war das einzige Auto des Dorfes, und es fuhr jeden Morgen zum Markt und brachte die Frauen und ihre Waren hin und die Frauen und ihre nicht verkauften Waren wieder ins Dorf zur\u00fcck, in unser Dorf, in mein Dorf.<\/p>\n<p>Nach Ban Nong Waeng.<\/p>\n<p>Beginnt Ihr zu ahnen, was mich noch heute zu diesem Dorf zieht?<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"et_pb_row_2 et_pb_row et_block_row\"><div class=\"et_pb_column_3 et_pb_column et_pb_column_4_4 et-last-child et_block_column et_pb_css_mix_blend_mode_passthrough\"><div class=\"et_pb_divider_0 et_pb_divider_hidden et_pb_space et_pb_divider_position_top et_pb_module\"><div class=\"et_pb_divider_internal\"><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":13679,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-14674","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/14674","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14674"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/14674\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16046,"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/14674\/revisions\/16046"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/13679"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kurt-singer.com\/thailand\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14674"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}