VIII. Tag, 18. November 1994
Oder
„Der Überfall der Germanen und Gallier“
Beim Frühstück beschließen wir, unserem Hotel einen Stern zu verleihen. Selbst ein verwöhnter Profi-Tourist muß bemerkt haben, daß sich das Personal viel Mühe gegeben hat. Jetzt bummeln wir durch den Broadway des Ortes entlang an den zahlreichen, offenen Verkaufsständen und schnuppern kurz in die stinkenden Markthallen hinein. Für kleines Geld erwerben wir eine Hängematte, ein Reiskörbchen, ein Uhrarmband und ein T-Shirt.
Es ist zu spät, zum Mittagessen nochmals zur Schule zu fahren, so nehmen wir unser Mahl in einem Restaurant in der Stadt ein. Uns wird ein abgeteilter, klimatisierter VIP-Raum zugewiesen. Als Kurt uns lehrt, daß hier nur Buddhisten Meeresfrüchte essen dürfen, wechselt Jutta, von schwerem Eiweißkoller gezeichnet, spontan ihre Religion. Sie wird nun auf den Namen „Gung“ getauft. Auf dem großen, runden Tisch, der sich wie eine Töpferscheibe dreht, werden Suppe, ein halbes Dutzend Teller mit asiatischen Leckereien, dazu Reis, serviert. Es ist üblich, daß sich jeder das nimmt, was er versuchen möchte.
Wir lassen Roiet hinter uns und nehmen doch viele Erinnerungen mit auf unseren Weg, der uns nach knapp dreistündiger Fahrt nach Surin bringt. Die Stadt wacht einmal im Jahr aus ihrem Dornröschenschlaf auf und genießt regionales Interesse, wenn sie zum traditionellen Elephant-Round-Up einlädt. Nachdem wir die reservierten Zimmer im Hotel Petchkasem bezogen haben, beschließen wir, unsere Füße etwas zu vertreten. Dies tut Not nach der Fahrt, und gleichzeitig beschnuppern wir die Stadt. Wir müssen feststellen, daß diese nichts Außergewöhnliches zu bieten hat, sieht man von den zahlreichen Elefanten ab, die das Straßenbild mit ihren Verdauungsrückständen prägen.
So entscheiden wir uns erst einmal zu einem ausgedehnten Imbiß in einem der Restaurants des Hotels. Als dann die Life-Musik mit Sängerinnen beginnt, fällt es uns nicht schwer, noch einige Getränke dranzuhängen. Nacheinander verläßt jeweils einer von uns die Runde, um duschen zu gehen, nicht weil wir in einem Anfall von Geiz zusammen nur ein Zimmer mit Dusche gebucht haben, sondern um den schönen Tisch mit Aussicht nicht zu verlieren.
Bald trifft uns der Schock: Busseweise fallen Scharen von senilen Franzosen und deutschsprachigen Touristen ein. Prompt ist das Restaurant überfüllt. Aus ist es mit der Ruhe und Gelassenheit. In Panik, nichts zu essen oder trinken zu erhaschen, gestikulieren sie wild auf die wehrlosen Kellner ein. Ein Hühnerstall ist verglichen mit unserer Räumlichkeit ein Sanatorium.
Als dann ein Ober unsere freundliche Getränkebestellung mit einem leicht gequälten „Merci“ quittiert, ist dies das Zeichen zum Aufbruch. Wir begeben uns eine Etage tiefer in den Nachtclub und erholen uns bei Cocktails und Kuschel-Rock.
Phi Mai
Phi Mai Sai Ngam
Chonnabot
Roi Et Hotel Mai Thai



