XIII. Tag, 23. November 1994
Oder
„As Time Goes By“
Die letzte Nacht in Chiang Mai ist kurz, denn im Coffee-Shop sind wir um 6.30 Uhr zum Frühstück verabredet. Das beherrschende Thema ist die geplante Bootsfahrt, denn es halten sich Gerüchte, im Grenzgebiet werde geschossen. Wir möchten dennoch an unserem Vorhaben festhalten und schätzen das Gerede als Versuch ein, die Trinkgelder für die Begleiter hochzuschrauben.
Aber bis zum Fluß ist noch ein weiter Weg. Wir halten an einer Orchideenfarm, die für uns nicht allzu viel zu bieten hat. Hier sind sicherlich Neckermänner besser aufgehoben. Unser Ziel des Vormittags ist das Elefantencamp nahe Chiang Dao. Das letzte Stück nehmen wir zu Fuß über eine Hängebrücke. Dahinter hockt sich Kurti über einen volleyballgroßen Elefantenapfel und simuliert. Hilfe, jetzt haben wir ein Riesenbaby! In einer arenaartig angelegten Lichtung wird eine eher touristische Vorführung einer kleinen Elefantenherde geboten, kein Vergleich zu Surin.
Erinnerungswürdig ist dagegen der halbstündige Elefantenritt, den paarweise Günter und Doris sowie All und Gung unternehmen. Nach einer Runde durch den Urwald tauchen sie in einem Flußbett auf und bieten ein tolles Foto- und Filmmotiv. Die Erinnerung ist uns stattliche dreihundert Baht je Reiter wert.
Während der mehrstündigen Weiterfahrt gen Norden dürfen wir die Eindrücke malerischer Dörfer und Ansiedlungen innerhalb der unverbrauchten Urwaldlandschaft auf uns wirken lassen, während Doris, All und Gung im siebten Elefantenhimmel schweben und von vielen kleinen Rüsseln träumen. Der Schlaf wird zum Mittagessen beendet, das wir in Tha Ton im Hotel „River Lodge“ auf der Terrasse direkt am Grenzfluß Maekok einnehmen. Das Barbeque-Chicken erweist sich als Delikatesse. Unvergeßlich wird die dreistündige Fahrt mit dem Longtailboat durch die unberührte Natur Richtung Chiang Rai. Mit der Zeit kühlt die Luft merklich ab, so machen wir eine Rast in einem idyllischen Flußdorf. All hat sich in eine „Boutique“ verlaufen und präsentiert kurz darauf den neuen Eskimo-Look. Am Rimkok-Hotel nahe Chiang Rai gehen wir schließlich durchgefroren - doch mit gewärmten Herzen - an Land.
Noch eine gute Stunde Busfahrt, und wir erreichen direkt am Goldenen Dreieck das Hotel „Le Meridien Baan Boran“, der Inbegriff von Luxus. Für uns erfüllt sich ein Traum, denn obwohl wir auf unseren Reisen mit Unterkünften nie gegeizt haben, stellt diese Anlage alles bisher Dagewesene in den Schatten. Das Gebäude scheint von einem Holzschnitzer geschaffen zu sein. Neben dem besonderen Flair fehlt nicht ein Hauch von Gemütlichkeit.
Ein heißes Bad weckt die Lebensgeister. Wir verlassen unser prunkvolles Zimmer, das in jedem anderen Hotel „Suite“ genannt würde, nur ungern. Als wir die Piano-Bar betreten, beginnt der Pianist „As Time Goes By“ zu spielen. Jetzt fehlt nur noch der Elefant. Wer hat dieses Märchen inszeniert? Wir fühlen uns wie im alten Casablanca und lassen an der Bar die Zeit bei Potatosnack, Bier und Planter's Punch Zeit sein.
Als sich später Kurti, Doris und Günter hinzugesellen, wechseln wir an einen Tisch und probieren die Longdrink-Empfehlungen der überaus netten Bedienung, während der Barpianist unsere Musikwünsche erfüllt.
Beim Weg in unsere Suite erleben wir, daß man auch in Thailand bibbern kann. Doch nun heißt es, im Schlaf das Erlebte des Tags zu verdauen.
Phi Mai
Phi Mai Sai Ngam
Chonnabot
Roi Et Hotel Mai Thai



