XII. Tag, 22. November 1994

Oder

„Herr der Ringe“

Der Morgen ist für Gung wie der Beginn des Lebens. Die Entzündungsschmerzen sind wie weggeblasen, nur das Drehen des Kopfes macht ihr noch etwas zu schaffen. Wer weiß, für was das gut ist? Auch hat meine Erkältung die Nacht nicht überlebt.

Das ausgedehnte Frühstück ist ein Genuß. Ich stelle fest, daß ein Salat mit säuerlichem Dressing ein guter Starter in den Tag ist. Gemächlich bereiten wir uns auf die halbstündige Fahrt zum Wat Phrathat Doi Suthep vor, einem herrlichen Bergkloster mit Aussicht über die im Dunst verborgene Stadt. Die 287 Stufen, die beidseitig von Schlangen hinauf zum Ziel geführt werden, meiden wir und besteigen eine kleine Zahnradbahn.

rstaunlicherweise ist nach all den Wats, die wir während unserer bisherigen Rundreise besichtigt haben, noch ein Superlativ möglich. Wir sind uns einig, daß dieser Tempel der schönste gleich nach dem Wat Phra Kheo in Bangkok ist. Unsere besondere Bewunderung gilt den jungen Handwerkern, die beinahe spielerisch Tempelverzierungen aus einer Putzmasse formen. Nach 287 Stufen abwärts laden zahlreiche Stände zum Kauf von Souvenirs ein und überreden mich endlich zum Erwerb eines kleinen Holzbuddhas.
Der Nachmittag ist für eine Kaffeefahrt in die nahen Handwerkerdörfer reserviert. In verschiedenen Fabrikhallen erleben wir hautnah die Fertigung der Güter, die wir größtenteils nur als Importware kennen, wie Holzschnitzereien und Möbel, bemalte Papierschirme, Lackarbeiten, Gold- und Silberschmuck, Seide, Leder und Porzellan. Hier und da werden wir zum Kauf animiert, wissen wir doch, daß dabei für Jo-Jo und Sit eine kleine Provision abfällt. Neben einem Stifthalter und einer Lackvase wechseln fünf laufende Meter Seide für unsere Loggia den Besitzer. Die längste Zeit jedoch verbringen wir in einer konsumentenfreundlichen Juwelierhalle. Während die Ladies alle Hände voll zu tun haben, die Palette von Gold und Edelstein fachmännisch zu prüfen, vertreibt eine lange Theke die Zeit der Gentlemen, und niemand bittet zur Kasse. Nach langem Hin und Her, Für und Wider, Tut sie’s oder tut sie’s nicht? entscheidet sich Gung für einen Rubinring aus 18karätigem Gold, in den sie allerdings noch hineinwachsen muß.

Der Abend gehört dem Nachtmarkt. Bei angenehmen Temperaturen sitzen wir im Freien in einem typisch asiatischen Seafood-Restaurant, neben uns ein Bassin mit Meerestieren, die sich auf der Speisekarte und bald auf unseren Tellern wiederfinden.
Dann schlendern wir stundenlang die mitunter kilometerlange Kette der Verkaufsstände ab. Ein paar Souvenirs tragen zur Vervollständigung unserer Sammlung bei. Nach einigen Einkäufen sind wir schnell einem Kaufrausch verfallen. Schließlich sind wir mit Socken, Blusen, einem Sarong, Bleistiften, die auf Bäumen wachsen, noch einer Buddhafigur, Armbändchen und einem Gamelan beladen und retten uns zu einem Schlaftrunk ins „Hofbräuhaus“, wo uns ein Thai-Kellner bayrisch bewirtet. Ein Prosit auf den Nachtmarkt, ein Prosit auf Chiang Mai!

Phi Mai
Phi Mai Sai Ngam
Chonnabot
Roi Et Hotel Mai Thai