IX. Tag, 19. November 1994
Oder
„Kurti“
Nach ruheloser Nacht, die durch den Straßenlärm immerfort eintreffender Busse gekennzeichnet ist, erleben wir die Fortsetzung des deutsch-französischen Kriegs fünf Generationen nach dessen vorläufiger Beendigung. Beim Frühstück sind Personal und Küche nicht auf die Massen eingerichtet. An den Ausgabestellen von Kaffee und Toastbrot beginnen die kriegerischen Auseinandersetzungen bereits kurz nach Öffnung des Lokals. Verwundete säumen die Gänge zwischen den Tischreihen. Hysterische Weiber beweinen den Verlust ihres einzigen Baconstreifens. Die Schlacht am Frühstücksbuffet fordert ihre Opfer. Nur wir fühlen uns als Blauhelme und verfolgen das Szenario gelassen aus sicherer Entfernung. Bald ist der Spuk vorbei, denn als die Ankunft des ersten Busses bekannt wird, verlassen die Krieger das Schlachtfeld mit fliegenden Fahnen und eilen zum nächsten Kampf um den besten Sitzplatz.
In relativer Ruhe können wir frühstücken, bevor wir nach einer halbstündigen Fahrt im ausverkauften Elefanten-Stadion eintreffen. Die Eintrittspreise sind für Einheimische kaum erschwinglich, so sind einige Tausend Touristen aus aller Herren Länder unter sich. Lediglich eine Hundertschaft offizieller Würdenträger, die sich in ihren hoch dekorierten Uniformen zu erkennen geben, repräsentieren die Menschen ihres Landes.
Nach der formellen Eröffnung kann die Show beginnen. Drei Elefantenkälber im Alter von einigen Monaten werden gezeigt. Dann durchquert eine Herde von zweihundert ausgewachsenen Tieren die Arena, die größte derartige Ansammlung innerhalb eines Jahres. Die dreieinhalb Stunden andauernden Vorführungen sind ein beeindruckendes Erlebnis. Stiere und Arbeitstiere wechseln sich ab. Wir erleben Elefanten bei der täglichen Arbeit und den Versuch, sie in wilder Natur einzufangen. Dressur- und Kraftakten folgt ein Fußballspiel. Den Höhepunkt bildet eine Parade gepanzerter Kriegselefanten und die Darstellung einer Schlacht gegen die Burmesen.
Die Rückfahrt zum Lunch ins Tarin-Hotel in Surin erleben wir im Stau. Nichts geht mehr. Endlich nach eineinhalb Stunden angekommen, ahnen wir an der Zahl der Busse, daß wohl kaum genügend Sitzplätze vorhanden sind. Gott sei Dank organisiert Jo-Jo einen Tisch am Pool, in dem Kurt seine Füße kühlt. Als sich das Wasser dunkel färbt, wird er an ein Waschbecken im Hotel geschickt.
Mittlerweile hat mich eine mittelschwere Erkältung erwischt. Sie wird mich die nächsten drei Tage plagen und meine Stimmung trüben. Dennoch erlebe ich nach zweistündiger Fahrt und 200 Tageskilometern die Ankunft in Korat im geliebten Hotel „Royal Princess“. Wir dinieren standesgemäß in dessen China-Restaurant. In der Lobby gibt es noch einige Mekhong mit Cola oder Kaffee. Das nette Thai-Mädchen, das uns dort bedient, werden wir wohl nie vergessen. Als die Zungen gelöst sind, erfahren wir von Doris, daß Kurt nicht „Kurt“ heißt, sondern schon immer „Kurti“ genannt wird. Der bekannte „Kurti-Witz“, den ich ihnen erzähle, wird zum Highlight.
Phi Mai
Phi Mai Sai Ngam
Chonnabot
Roi Et Hotel Mai Thai



