III. Tag, 13. November 1994
Oder
„Alles außer Ozeandampfer“
Der Tag beginnt mit dem Zählen von Stichen. Wir haben uns doch keiner Skatrunde angeschlossen, nein, wir analysieren die Spuren, die unsere nächtlichen Freunde auf unserer dünnen Haut hinterlassen haben. Jutta gewinnt gegen mich den ersten Satz mit 9:1 im Tie-break.
Kurz nach neun geht’s runter zum Frühstück im hoteleigenen „Chaophraya Coffeeshop“. Die Räumlichkeiten sind kolonialstilistisch eingerichtet und dekoriert. Das Buffet bietet reichhaltig allen Genießern das, was den Turban zum Auflaufen bringt. Die Atmosphäre ist exotisch, manchmal hektisch.
Gegen zehn wartet unser kleiner Bus zur Abfahrt zum Wochenendmarkt, den wir nach einer Stunde Fahrt „Bangkok-like“ erreichen. Die endlosen, kaum überschaubaren Marktbuden beeindrucken uns. Hier kann man alles kaufen außer Ozeandampfer. Nachdem wir uns zwei Stunden lang durch die engen Gänge bei schwüler Hitze gequält haben, steuern wir den Treffpunkt „Carlsberg-Restaurant“ an, an dem wir uns verabredet haben. Jutta ist nun stolze Besitzerin einer neuen Sonnenbrille für 100 Baht. Im Restaurant gibt es ein gemeinsames Mittagessen mit viel Carlsberg-Bier und einer Suppe mit allerlei Gemüse, Getier und Undefinierbarem, das Zubereitungsritual entspricht in etwa unserem Fondue. Markus zeigt den jungen Kellnern, wie man mit Eßstäbchen Bier zum Schäumen bringt, und wir haben unseren Sanuk.
Die Rückfahrt unterbrechen wir am Geisterhaus des Shopping-Centers „Erawan“. Dieses Verehrungsmal wurde außergewöhnlich pompös errichtet, da beim Bau des Kaufhauses viel Unglück geschah und Menschen ihr Leben ließen. Man sucht dadurch die Geister zu beschwichtigen. Wir nehmen viele betende und spendende Gläubige wahr und verfolgen die Vorführungen einer Gruppe junger Tempeltänzerinnen.
Bis zum Sonnenuntergang verweilen wir am Pool. Im Zimmer erfahren wir durch den Star-TV-Reporter von Michael Schumachers Crash mit Damon Hill beim letzten Grand Prix in Adelaide und seinem gleichbedeutenden Weltmeistertitel. Dann beginnt die leicht abenteuerliche Fahrt zum Restaurant „Baan Kuhn Luang“ am anderen Ufer des Chaopraya. Doch keiner von uns hat die Flußüberfahrt bemerkt. Wo war die Brücke? Nach dem ordentlichen, mehrgängigen Essen im Freien geht es endlich zur Patpong, dem etwas in Verruf geratenen Nachtmarkt und Amüsierviertel Bangkoks. Die Stimmung ist gedrückt, denn Kurt und All sind vom soeben erfahrenen Tod einer alten Freundin erschüttert.
Wir schlendern von Stand zu Stand, erwerben ein paar Krawatten und einen Gürtel und treffen uns zum Umtrunk an einer offenen Bar. Gegen Mitternacht veranstalten wir mit drei Tuk-Tuks ein übermütiges Rennen zurück ins Hotel und beenden den Tag mit ein paar Ultimo-Drinks bis halb zwei im Coffee-Shop
Markus´ Bierschaum
Erawan Shrine
Pat Pong


