XV. - XXXI. Tag 25. November bis 11. Dezember 1994
Oder
„Welcome in Your Home Karon“
Noch bei Dunkelheit mit leichtem Hangover nehmen wir unser Frühstück am provisorischen Buffet ein, denn wir rechnen mit einer mehrstündigen Fahrt zum Flughafen in Chiang Mai. Mit Erfolg ändern wir den Plan unterwegs, denn wir haben Glück und können von Chiang Rai, wo wir Jo-Jo und Sit Lebewohl sagen, nach Chiang Mai und nach Aufenthalt wie vorgesehen weiter nach Phuket fliegen, wo wir die Schäfers unversehrt wiedertreffen.
Nach der langen Rundreise mit den vielen Strapazen, die aber mehr als belohnt wurden, ist es schön, wieder daheim zu sein. Mit gemischten Gefühlen ziehen wir in unser neues Hotel „South Sea Resort“ ein, das gleich neben dem „Karon Villa“ liegt, in dem wir uns immer so heimisch gefühlt haben. Doch um es vorweg zu nehmen: das SSR wird unser neues Zuhause werden. Wir mögen die Atmosphäre der geräumigen und gemütlichen, immer sauberen Zimmer, die um den Pool gelegen sind. Beim Frühstück „funktioniert“ das Personal zwar nicht so wie gewohnt, doch dafür entschädigt das, was schließlich auf den Tisch kommt, und läßt nie Eintönigkeit aufkommen.
Da wir unsere Blessuren auskurieren wollen, beteiligen wir uns nicht an den angebotenen Ausflugsprogrammen. Schließlich sind wir zum fünften Mal im Jahresabstand hier. So ähneln sich die Tage, ohne auch nur annähernd langweilig zu sein. Jeden Tag, den Gott geschaffen hat, wandern wir den Strand auf und ab. Nachmittags landen wir bei jedem Wetter am Ende der Bucht bei Kai in dessen „Cowboy Restaurant“. Da wir ihn und seinen Werdegang nun schon seit fünf Jahren kennen, wissen wir, daß es kein gewöhnliches Restaurant ist, sondern ein Gaumenfreudenhaus. Obwohl seine Speisekarte reif für das Guinness-Buch ist, bereitet man ihm keine Sorgen beim Ordern von Besonderheiten wie Bratkartoffeln-Shrimps. Seine Suppen Tom Yam Gung und Tom Kha Gai, die Nudel-, Reis- und Kartoffelgerichte, die süßsauren Leckereien oder Spicy Curry, die Fruchtsalate oder Früchte im Teig, die Sandwiches oder knackigen Gemüsesalate, die Garnelen, zubereitet in jeder erdenklichen Art, seine Mengen und Preise, sein immerfreundliches Wesen, all dies treibt uns jahrein jahraus hierher.
Meistens verzichten wir auf ein Abendessen. Kein Wunder! Doch manchmal essen wir im etwas abgelegenen „Elefant Restaurant“. Preis und Qualität sind dort eher bescheiden. Beim Österreicher, der hier vor ein paar Jahren hängen geblieben ist, gibt es zur Abwechslung Einheimisches wie Schweizer Wurstsalat. Am alkoholfreien Königsgeburtstag wird uns nach Meinung Gungs die schlechteste Caipirinha gereicht. Gerne erinnern wir uns an das „Kata Corner“ mit den kleinen Geschäften und Restaurants. Mehrmals schauen wir uns das dortige Golfturnier im Kabel-TV an. Den Rückweg unterbrechen wir oft beim Pancake-Man, der in seinem mobilen Straßenlokal die besten Banana- und Pineapple-Pancakes für gerade zwanzig Baht anbietet. Fast jeder Tag endet in der Mama-Bar. Schnell haben wir Määm, die neue Besitzerin unserer favorisierten Theke, ins Herz geschlossen. Hier gibt es Carlsberg und Kino gleichzeitig.
An zwei Begebenheiten im Hotel ist meine Erinnerung hängengeblieben: Zum ersten Advent veranstalteten wir eine Zimmerparty, wo wohl: bei Martins. Doris flocht fachmännisch den Adventskranz aus Rankengewächs, das sie am Strand gesammelt hatte. Die Kerzen steuerten wir alle aus unserem Notbestand bei. Der Mekhong floß bis zum Abwinken. An einem anderen Tag, am 9. Dezember, feierten wir Günters 66. Geburtstag. Ich konnte organisieren, daß an der Welcome-Tafel „Happy Birthday Mr. Martin“ zu lesen stand. Wir schenkten ihm eine Whiskytasse aus Roiet und eine Flasche Mekhong als notwendigen Inhalt. Nachmittags mußten wir die vom Hotel überbrachte Torte aus reinem Zucker probieren.
Zum fast täglichen Ritual gehört unser Besuch bei Jim, der mittlerweile das Schneidergeschäft führt, zum Ausmessen oder Anprobieren. Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit Ware, Qualität und Preis. In der Galerie nebenan können wir die traditionelle Tischdecke und zwei Elefantenbilder auf Büffelhaut erhandeln.
Zweimal verlassen wir Karon, um mit dem Tuk-Tuk Patong aufzusuchen. Die erste Fahrt dient vor allem dem Besuch des Abendmarktes, wobei wir uns neben den üblichen Krawatten zum Kauf einer Holzstatue entschließen. Ein weiteres Mal führen wir die Martins in das Nachtleben von Patong ein. Wir widmen unsere Zeit vor allem dem Amüsierviertel bei ohrenbetäubendem Lärm und viel Kino. Dabei finden wir sogar einige Bars in einer Seitenstraße, in denen wir uns wohl fühlen.
Prächtig erholt treten wir nach über zwei Wochen Aufenthalt hier unsere Rückreise an. Die verspätete Ankunft des Taxibusses bereitet uns einige Zeitprobleme beim Check-In. Doch wir werden durch die Plätze in der oberen Etage des Jumbos in der Royal Executive Class entschädigt. Doch der Traum endet in Bangkok. Hier treffen wir die Singers wieder, die vor ein paar Tagen vorgeflogen sind, um noch einige Dinge in Roiet zu erledigen. Den Internationalen Flughafen erreichen wir zu Fuß über einen Verbindungsschlauch. Die Zeit über Check-In bis zum Abflug um zwei Uhr nachts ist unendlich lang. Mit zwei unbesetzten Sitzplätzen neben uns überleben wir den Rückflug relativ leicht.
Die Zugverbindung von Amsterdam nach Koblenz verläuft plan- und problemlos, wenn man einmal von der Simulation eines thailändischen Gemüse- und Fischmarktes durch All absieht...
So sind wir am Ziel einer unvergeßlichen Reise.
Phi Mai
Phi Mai Sai Ngam
Chonnabot
Roi Et Hotel Mai Thai



